Helge Thomass ist Initiator und Vorstand des 20prozent e.V.. Diese magische Zahl hat bereits der Wirtschaftswissenschaftler Pareto geprägt, der aussagte, dass 80% des Kapitals unter 20% der Bevölkerung aufgeteilt ist. Aber auch 20% der Kunden eines Unternehmens machen 80% des Umsatzes aus. Er schreibt in seinem Profil: “Wenn jeder Unternehmer nur einem Anderen auf die Beine oder aus einer Flaute heraus hilft, dann sind wir morgen doppelt so viele. Durch Taten, Gepräche, Geld, Ideen oder wertvolle eigene Erfahrungen entsteht so eine völlig neue und erfolgreiche Unternehmenskultur. Wenn das passiert, bin ich der glücklichste Mensch der Welt.” Der Communitygedanke ist in der Wirtschaft angekommen. Teamwork statt solo play ist das Motto. Der Verein hat das Ziel eine Verdoppelung der Selbständigenquote auf 20% bis 2020 zu erreichen! Trotz weltweitem Strukturwandel, dem Verschwinden des alten Industrie- und Produktions-Sektors in Deutschland und den damit einhergehenden Massenentlassungen sollen alle (also 100%) der Menschen eine Arbeit finden und ein Einkommen haben. Eine Selbständigenquote von 20% bedeutet auch einen höheren Anteil an selbstbestimmter Arbeit, mehr Freiheit, weniger Sorgen und mehr Glück!
Auf Familienhandbuch kann man lesen: “Insgesamt lässt sich ein langfristiger Trend zu einem nachlassenden politischen Interesse Jugendlicher feststellen (der sich im Übrigen gemäß neuerer Studien nicht unbedingt im politischen Interesse der Gesamtbevölkerung widerspiegelt). Die vor diesem Hintergrund oftmals diagnostizierte “Politikverdrossenheit” stellt sich dabei bei näherem Hinsehen, wie bereits seit längerem bekannt, als eine “Politiker- und Parteienverdrossenheit” dar. Es sind nicht bestimmte Parteien, denen die Jugendlichen das Vertrauen entziehen. Vielmehr schwindet das Vertrauen in die Lösungskompetenz und in die Integrität von Parteien sowie von Politikerinnen und Politikern insgesamt.”
Es wird oft diskutiert, warum die Piratenpartei innerhalb so kurzer Zeit so viele Mitglieder und Wähler anzieht. Die Wahlverdrossenheit der Jugend scheint aus einem Mangel an Interessensvertretern gelegen haben. Möglicherweise haben wir hier eine neue Partei, die als eine einzige Fraktion dem Wahlprofil der Wahlverdrossenen entspricht. Sollte dies wirklich zutreffen, wird sich der “Generationenkonflikt” denmächst im Bundestag zeigen.
In seinem Blog beginnt Kristian Köhntopp seinen Artikel mit der Überschrift “Falscher Planet, falsches Jahrtausend”. Er nimmt Bezug auf das Interview der Fernsehsendung “Unter Linden” mit dem CDU-Politiker Prof. Rupert Scholz und dem Piratenpartei-Politiker Dirk Hillbrecht. Er schreibt “Das, was Herr Scholz da erzählt und argumentiert hat, kam mir sehr altmodisch und weltfremd vor. Hat der die letzten 20 Jahre keinen Strom und kein Netz gehabt? Und dann ging mir auf, dass genau das der Fall war.”
Kristian Köhntopp ist seit über 20 Jahren online und hat damit Sinnbildhaft die Geburt des Internet nicht nur miterlebt, sondern ist auch Teil dieser Entwicklung: “Google datiert mein ältestes auffindbares Posting im Netz auf 1989 - ich bin also seit mindestens 20 Jahren online. Ich werde Ende diesen Jahres seit 17 Jahren Linux eingesetzt haben. Die Logs und Statistiken meiner eigenen Domain gehen 12 Jahre zurück.
Ich lebe online. Alle Texte, die ich seit 1983 geschrieben habe, sind auf dem Computer geschrieben worden. Sie liegen auf einem halben Dutzend Rechnern im Netz verstreut. (…) Seit 20 Jahren lese ich laufend meine Mail, ich bin jeden Tag in fünf verschiedenen IM-Systemen zu erreichen. (…) Ich reiste beruflich fast drei Jahre durch Europa und die USA, aber ich war immer zu Hause (…) Ich habe nicht mehr oder weniger Kontakt mit meinen Freunden gehabt bloß weil ich mal ein paar Wochen auf einem anderen Kontinent war.
Das ist die Welt, in der ich existiere und das sind die Dinge, mit denen ich jeden Tag umgehe. Sie sind für mich real. Sie definieren und sie finanzieren meine Existenz in dieser Welt.”
Über den Generationenkonflikt schreibt er kurz: “Wir nennen sie Alte Männer mit Kugelschreibern oder Internetausdrucker. Wir wissen nicht, wie wir mit ihnen reden sollen und wie wir ihnen unsere Welt erklären sollen, und wir hoffen, dass es eine biologische Lösung für dieses Problem gibt.”
Das Interview auf Unter Linden zeugt deutlich den Kommunikationsunterschied. Auf der einen Seite sitzt Herr Scholz, dem man eindeutig seine Erfahrungen mit der Kamera ansehen kann, auf der anderen Seite sitzt Herr Hillbrecht. Folgt man dem Gespräch, so bemerkt man eine Kommunikations Asymmetrie. Der CDU-Politiker setzt die klassische Rhetorik ein und trifft die Argumente im Wesentlichen auf den Punkt. Herr Hillbrecht kann ihm in den meisten Punkten beipflichten. Im Wesentlichen sind sich also beide einig: Das “WAS” ist beiden Parteien gemein. Das “WIE” aber scheint in Diskussion zu stehen. Kristian Köhntopp erklärt in seinem Blog sehr anschaulich, was das “WIE” eigentlich ist und belegt, dass seitens der CDU einige Informationslücken bestehen. Nur wer mit der IT aufgewachsen ist, kann die Problematik verstehen:
Computer sind Kopiermaschinen. Das ist deren prinzipielles Wesen
Kristian Köhntopp erklärt: “Unsere Computer sind Kopiermaschinen. Um ein Programm auszuführen muß es von einem Medium in den Speicher, vom Speicher in den Prozessor kopiert werden, ebenso alle Daten. Ergebnisse werden zurück kopiert. Der Befehlssatz eines jeden Rechners hat circa zehn Mal mehr Kopier- als Rechenbefehle.
Unsere Netze sind Kopiermaschinen. Wir sagen wir ’senden eine Nachricht’, aber das Wort ist falsch. ‘Senden’ impliziert, daß die Nachricht sich bewegt und für den “Ab”-Sender nicht mehr da ist. Das ist in der realen Welt so, aber nicht im Netz: Wir kopieren eine Nachricht an die Empfänger. Das Wesen aller IT ist die Kopie.” Diese Beobachtung spaltet das Denken zweier Generationen. Diese Menschen hören kein Radio, schauen immer weniger Fernsehen - falls überhaupt. Für diese jungen Menschen haben die GEMA, die GEZ und andere Verwertungskonzepte keine Existenz mehr. Ja - keine Existenz. Diese Menschen nutzen diese Dienste nicht, noch benötigen sie diese. Daher herrscht hier auch Kritik an der Internetgebühr der GEZ. Im Grunde wird nur die “Empfangsfähigkeit besteuert”. Die “Technikaffine Generation” aber hat sich selbst eine Infrastruktur geschaffen und bestückt sich gegenseitig mit Informationen und Entertainment. Statt Comedy-Sendungen gibt es LOL-Blogs. Statt Nachrichten gibt es Blogs und Twitter. Das Poesiealbung in der Schule wich Facebook. Der Notizzettel musste einer Wiki weichen. Der absolute Vorteil der neuen Technik ist: Man hat die Daten immer und überall dabei - solange man Zugang zu einem Internetanschluss hat.
Hört man hingegen, nach Jahren dieser Denkart, etablierten Politiker, so erschleicht einen das Gefühl, diese kämen von einem anderen Planeten. Radiowerbung nervt. Kreischende Stimmen krächzen einem entgegen, mit Informationen und einer Art- und Weise, die man überhaupt nicht versteht. Macht man nach einem Jahr Abstinenz mal wieder den Fernseher an, so fühlt man sich regelrecht verprügelt, nachdem man den ersten Werbespot gesehen hat. Das TV-Programm schleicht vor sich hin und wirkt “dreckig und ungestaltet”.
Den Politikern, der GEMA und der GEZ fehlen das Gefühl für Computer und die IT, sonst würden sie nicht so handeln, wie sie es tun!
Musikindustrie ruinierte Existenzen
Ganz klassisch - zum Schutze der Musiker - handelt die GEMA, wie sie handelt. Und man kann das Handeln auch nachvollziehen. Denn die GEMA “garantiert” dem Musiker etwas, sie erfüllt ihren Vertrag dem Musiker gegenüber. Aus dieser Sichtweise, ist alles in Ordnung.
Setzt man sich aber einmal auf die Seite des Computerverwenders, dann wird alles anders. Es ist unmöglich das Recht, das Copyright einer Datei zu ersehen. Man muss diese Datei öffnen, mit einen Virenscanner überprüfen oder schlichtweg abspielen um die Informationen zu bewerten.
Am Anfang steht der Download, oder das Kopieren auf die Festplatte.
Oder kurz: Um den Inhalt einer Datei bewerten zu können, muss man erst über diese Datei auf dem lokalen Computer verfügen. Den Download per se zu kriminalisieren macht eben deshalb keinen Sinn, da zur Bewertung eines Inhaltes erst mal über eine Datei verfügt werden muss. Dies ist vergleichbar mit dem Einkaufen im Supermarkt: Man nimmt die Ware in den Korb und fährt damit durch den Laden. Solange man die Kasse nicht passiert, ist alles legal. Erst wenn man Ware (ohne Bezahlung) an der Kasse vorbei bringt, beginnt die Straftat. Es ist aber nicht selten, dass ehrliche Kunden ausversehen etwas vergessen haben. Sie bemerken es und sagen an der Kasse Bescheid. Und es ist in der Regel kein Problem - im Gegenteil, man erhält dann noch Dankbarkeit. Bei Software ist dies ähnlich. Man lädt Programme aus dem Internet und muss diese erst mal installieren. In der Regel startet dann eine Testversion. Nach Ablauf der Testzeit, wird das Programm ungültig und man hat die Wahl es zu kaufen, oder zu löschen.
Das Bezahlen erfolgt also nach Hineinlegen in den Warenkorb. Dies ist in diesem Falle die Festplatte. Bei Kauf von Waren über das Internet wird den Verbrauchern ein 14-Tägiges Rücktauschrecht eingeräumt. Nur geöffnete Verpackungen können nicht mehr getauscht werden und sind zu bezahlen. Dieses Prinzip muss auch auf Computerdateien angewandt werden. Es müsste also ein 14-Tägiges Löschrecht eingeräumt werden. Nur der Datenbestand auf einer Festplatte ist relevant, nicht der Datenstrom zum Rechner hin. Nicht das Herunterladen, sondern das Öffnen einer Datei, oder speziell, die Art der Verwendung muss monetarisiert werden. Sollte nun jemand fragen, warum das niemand macht, gibt es eine simple Antwort: Es wird bereits gemacht. Die sogenannte GPL (general public licence) oder die CC-Lizenz (Creative-Commons licence) regelt die Rechteverwertung derart. Die Art der Verwendung wird in diesen Lizenzen geregelt, nicht aber die Distribution oder die Beschaffung der Daten. Aus Computersicht ist das die einzig vernünftige Art zu lizensieren.
Die GPL und CC-Lizenzen erfüllen das Prinzip, das das 14-Tägige Rücktauschrecht bei Versandbestellungen erfüllt; Die Ware muss erst geprüft werden dürfen, bevor man eine endgültige Kaufentscheidung trifft. Entscheidet ein Kunde die Ware nicht zu verwenden, so gilt für reale Güter “zurückschicken”, für Computerdaten “löschen”.
Nun beginnen aber schon mit einer normalen käuflich erworbenen CD die Probleme. Ist auf der CD ein Programm, oder ein Spiel, so wird es auf die Festplatte installiert. Dies entspricht einem Kopiervorgang der Daten der CD auf die Festplatte. Die legal erworbene Software kann nur durch einen Kopiervorgang genutzt werden. Eben so verhält es sich mit legal erworbenen CDs. Will man diese auf einem iPod abspielen, oder im eigenen Audioplayer, so führt kein Weg daran vorbei aus den CD-Daten Dateien zu generieren, die dann auf die Festplatte kopiert werden. Das Öffnen der Verpackung der CD ist aber zwingend notwendig um die Daten zu kopieren, bzw. abzuspielen. Da die CD ein reales Gut ist, verbietet das Öffnen der CD eine Rücksendung bei Nichtgefallen.
Die Kombination aus realem Gut (CD) und Computerdaten (kann nur mit kopierten Daten arbeiten (z.B. im Arbeitsspeicher oder auf der Festplatte)) kann aufgrund der verschiedenen Prinzipien nicht funktionieren. Der Markt führt daraus folgend an der Schnittstelle “reale Güter”/”Daten” zu einem Anachronismus.
Aus technischer Sicht ist der Kopiervorgang zwingend notwendig. Schlimm wird es, wenn man Dateien aus dem Internet lädt. Grundsätzlich ist die Legalität bis zur Ankunft der Datei nicht klar. Es gibt freie Musik, es gibt unfreie Musik. Bietet jemand urheberrechtlich geschützte Musik als “frei” an, so ist dies zwar eine Straftat, aber für den Nutzer nicht unbedingt zu erkennen. Gerade junge Menschen können legal von Illegal kaum unterscheiden. Für sie ist es ein Vorgang, der sich immer wieder wiederholt. Anklicken, runderladen, hören.
Die Allgemeinbildung erst erzeugt das Rechtsbewustsein.
Durch das Wesen des Computers aber kann das Wesen des Copyrights nicht vermittelt werden. Im Gegenteil. Rechteinhaber setzen DRM-Systeme (Digital Rights Management) ein um die Verbreitung legal erworbener Musik zu unterbinden. Aufgrund dieser Hürden, wurden aber die Verbreitung und Kaufzurückhaltung erst forciert. Die Begründung ist simpel: Ein Beispiel: Die Musikstücke im Apple iTunes-Store kann man einzeln zu einem recht annehmbaren Preis erwerben. Die Musik ist Computergebunden. Man muss die erworbenen Lieder für den einzelnen Computer freischalten, ansonsten werden diese nicht abgespielt. Sogar damit könnte man noch leben. Problematisch wird der Einsatz der Daten in anderen Systemen. Setzt ein DJ z.B. das Programm TraktorDJStudio von Native Instruments ein, so sind die DRM geschützten Werke von iTunes unbrauchbar, da die Drittsoftware die geschützten Stücke nicht abspielen kann.
Ein Mensch, der auf diese Art und Weise aufwächst empfindet legal erworbene Musik als Hindernis, als Behinderung. “Nicht nur dass man dafür bezahlen muss, man kann es ja nicht einmal verwenden!” So driften Kunden über Kunden von den klassischen Distributionswegen ab und besorgen sich die Daten anderswo, da “anderswo” die Qualität stimmt. Eigentlich sollte die Einschränkung der Nutzung eines Produktes unter Strafe stehen. Absurder wird es noch bei CD’s. Einige Anbieter verkaufen CDs mit Booklets, auf denen die gerade eben erworbenen Lieder via Jamba fürs Handy angeboten werden. Der Kunde möge doch für dieselbe Musik doppelt zahlen! Und wo sind eigentlich die nützlichen Informationen?
Ein junger Mensch, der Audio-CDs kauft, hat das Gefühl für eine schlechte Qualität mit geringem Service zu bezahlen. Darüber hinaus empfindet er den Silberling und die CD-Hülle als Umweltverschmutzung.
An dieser Stelle hat sich das Internet in Sachen Service, Information und Qualität deutlich gegenüber dem klassischen Vertriebsweg durchgesetzt. Es sind nicht die Menschen, sondern die Qualität verschiedener Produkte, die hier in Konkurrenz stehen!
Und wenn man aus diesem Denken heraus zu hören bekommt: “Mutter wurde zu Millionenstrafe verklagt, weil der Sohn Dateien runtergeladen hat” muss man nachdenklich werden. Denn für eine solche Familie ist der Lebensrest nachhaltig zerstört. Darf ein Rechteverwerter so was machen? Nur wegen “etwas” Musik ganze Existenzen vernichten? Gulli berichtete über Monika Bestles Kritik bezüglich der GEMA (hier), in der der GEMA vorgeworfen wird, dass sie kleine “Veranstalter ’systematisch ruiniert’”. Darf ein Industriezweig so was machen? Das ist eine moralische Frage. Und darüber sollte man sich auch Gedanken machen.
Ich danke vor allem Kristian Köhntopp für seinen Blog (hier) und die hilfreichen Formulierungen.
Der Generationenvertrag stellt das “WIE” in Frage, nicht aber das “WAS”. Wir möchten den Generationenvertrag einhalten, wir möchten unseren Verpflichtungen nachkommen - aber auf unsere Art. Aber ihr müsst uns schon lassen, sonst werdet ihr selbst scheitern.
“Musik verändert die Welt”. Diesen Satz kann man heutzutage in zweierlei Hinsicht verstehen. Einerseits steht die Musikbranche vor einer der größten Veränderungen, die sie je durchmachen musste. Andererseits ist es eben diese Entwicklung, die Musiker heutzutage inspiriert. Die digitalen Medien ermöglichen es neuartige Sounds zu generieren. Aber auch “social Music” ist machbar. Der Musikproduzent Mark Johnson gründete im Jahre 2004 ein Multimedia-Musik-Projekt mit dem Namen “Playing for Change”. Unter dem Motto “inspire, connect, and bring peace to the world through music” möchte Johnson neue Impulse setzen. Mit einem mobilen Ton-Studio reiste er um die Welt und nahm lokale Musiker seiner Reiseziele auf, die alle den gleichen Song, aber in ihrer eigenen Interpretation, ausführten.
Everything goes Net. Ein weiteres Beispiel ist das Dental Online College. Experten zeigen anhand von Operationen, wie Diagnostik und Operationen verlaufen. Ein Student der Zahnmedizin bekommt für den Lerntypus angepasste Videos. Diesem Artikel wurden keine Bilder beigefügt, da nicht jeder Mensch die Darstellungen von Operationen verträgt. Auf der Internetseite sind verschiedene Einleitungsvideos zu finden. Dies ist ein weiterer Schritt in die Demokratisierung von Wissen.
Politiker begreifen nicht mehr was um sie herum geschieht - mitten im digitalen Zeitalter. Und nun kündigt sich der lange überfällige “Klassenkampf” an. Ein Generationenkonflikt entlädt sich auf allen Ebenen.
In den westlichen Staaten fordert man eine umfassende Reform des Urheberrechts. Der Arbeitsmarkt steht im Wandel. Entrepeneure entdecken neue Arten der Unternehmenskultur. Die Angestellten und Mitarbeiter werden immer stärker in den Betriebsprozess mit eingebunden. Angenehme Arbeitsumgebungen schaffen neue Kreativität. In der Wissenschaft geschieht ebenfalls viel: Im Maschinenbau sind vollautomatische Produktionsanlagen zu erwarten. Die Roboter kommen. Immer mehr Menschen interessieren sich für die knuffigen kleinen Flitzer im Wohnzimmer. Der Selbstbau auf hohem Niveau nimmt zu. Physiker suchen nach dem berühmten Higgs-Teilchen. Existiert das Teilchen, so hat die Physik ein neues Modell um Masse zu beschreiben. Diesem Modell zu Folge ist Masse keine Eigenschaft einzelner Teilchen, sondern stellt eine Wechselwirkung mit dem so-genannten Higgs-Feld dar. Der größte von Menschen gebaute Apparat, der Teilchenbeschleuniger CERN, soll dieses Teilen auffindbar machen. Finden Physiker das Higgs-Teilchen, verändert sich unsere Sicht auf die Physik nachhaltig. Gesellschaftlich kulturell beobachtet man einen Trend zur Bürgergesellschaft. Der Bürger erhält durch das Internet und direkte Teilnahme am demokratischen Prozess mehr Macht. Ein Staatsmodell bei dem die Macht direkter vom Bürger ausgeht scheint machbar. Der Arbeitsmarkt verändert sich. Unternehmen passen sich immer mehr den individuellen Bedürfnissen an. Die Produktivität hat aufgrund des Erfolges unserer Marktwirtschaft ein ungekanntes Maximum erreicht.
Nun zeichnet sich ab, dass unsere Gesellschaft auf eine höhere Organisationsebene hinstrebt. Ein neues Zeitalter zeichnet sich sinngemäß ab. Unsere Hochkultur verfügt über Errungenschaften, die es in der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte nie zuvor gab. Wir können dem lebenden Menschen ins Gehirn schauen, verfügen über Maschinen, die uns das Fliegen ermöglichen, und können innerhalb kürzester Zeit mit beliebigen Menschen auf diesem Planeten kommunizieren. Obwohl wir in einer der größten Hochkulturen leben, zeichnet sich eine große Veränderung für uns alle ab. Unser jetzt schon hochwertiges Organisationsmodell scheint von einem Organisationsmodell auf noch höherer Ebene abgelöst zu werden. Dieser Wandel, der sich in diesen Tagen abzeichnet, dürfte innerhalb von drei Jahren, also bis 2012, seinen Höhepunkt erreichen. Dann sollten die neuen Strukturen etabliert sein. Das “Was” bleibt - wir machen weiter, wie bisher. Doch das “Wie” ändert sich. Wie wir unseren Strom erzeugen ist eine neue große Frage. Wie wir arbeiten werden befindet sich derzeitig im gesellschaftlichen Diskurs. Wie wir in Gemeinschaft leben werden erleben wir in nächster Zeit. Wie sehen wir die Welt und die Grundlagen der Wissenschaft. All dies steht auf dem Prüfstand und soll durch neue Modelle ersetzt werden. Darf man Stephen Wolfram, dem Erschaffer von Mathematica, glauben, dann hat auch die klassische Mathematik bald ausgedient. In seinem Werk “A new kind of Science” beschreibt er eine mathematische Herangehensweise durch so genannte Zelluläre Automaten.
Fassen wir all dies zusammen, erwarten uns bis 2012 drei große neue Errungenschaften in der Wissenschaft, zwei neue Errungenschaften im gesellschaftlich-kulturellen Bereich und zwei neue Errungenschaften in Politik und Ökonomie. Dieser Wandel ist in vollem Gange. Und wir spüren diesen Wandel. Wir spüren diesen Wandel, weil er im vollen Gange ist und unser tägliches Leben spürbar beeinflusst. Und wir können bald Bergfest feiern, denn die neuen Strukturen festigen sich bereits und setzen sich mehr und mehr durch. Wer also im Geiste noch nicht auf die neuen Modelle umgestiegen ist, für den wird es dringend Zeit umzudenken und die Veränderungen wahrzunehmen. Denn das “Neue” ist unser alltägliches “morgen”.
Minister des Bundes Jörg Tauss wurde am 20.06.2009 Mitglied der Piratenpartei. Damit hat die Piratenpartei Ihr erstes Mitglied im Bundestag. Derzeit läuft noch eine Unterschriftenaktion für die Zulassung zur Bundestagswahl. Die Piratenpartei ist die erste Partei, die es geschafft hat einen Minister im Bund zu stellen, bevor sie überhaupt zur Wahl zugelassen ist.
CDU und SPD haben seit 60 Jahren im Wechsel die Regierung gestellt. Alle Formulare, komplizierte Steuererklärungen, ein überschuldeter Staatshaushalt und ein total überfrachtetes Steuerrecht wurde abwechselnd von diesen beiden Parteien beschlossen. Nun hat die Partei den eigenen Mann Tauss in die Korruptionsfalle geschubst. Ob er nun wirklich Kinderpornografie betrachtete, oder aus Recherchegründen mit dem Material umgegangen ist, wird noch geklärt.
Zensursula aber hat es geschafft Ihr Gesetz durchzuwinken zu lassen. Und das trotz der bisher größten Online-Petition gegen diese Maßnahme: “Am 16.06.2009 endete die Mitzeichnungsfrist zur bisher größten öffentlichen Petition auf den Webseiten des Deutschen Bundestages. Mehr als 134.000 Bürgerinnen und Bürger erhoben damit in einer beispiellosen Aktion Ihre Stimme gegen die immer stärker werdenden Zensurbestrebungen der Regierungsparteien.” Hiermit zeigt die Regierung ganz offen Ignoranz gegenüber einem Instrument, das dem Volke eine Mitbestimmung am politischen Geschehen ermöglicht.
Heute (20.06.2009) ist Jörg Tauss nach fast 40 Jahren aus seiner ehemaligen Partei SPD ausgetreten. Zusammen mit Mitgliedern der Piratenpartei und dem Chaos Computer Club schwenkte er eine Piratenfahne auf einer Demo in Berlin. Ein Ruck geht durch die Bevölkerung. Auf allen Kanälen werden Proteste und medienwirksame Inhalte (siehe Zensursula youtube video) generiert. Der Minister des Bundes aus dem Wahlkreis Karlsruhe-Land Jörg Tauss ist am 20.06.2009 Mitglied der Piratenpartei geworden. Die Piraten haben sich mittlerweile in einer Pressemeldung zu dem Parteieintritt von Jörg Tauss geäußert. Darin gehen sie auch auf die Ermittlungen gegen ihn ein: “Solange in dieser Sache gegen Herrn Tauss keine Verurteilung erfolgt, hat die Piratenpartei keinen Anlass, an seiner Unschuld und moralischen Integrität zu zweifeln.” Die Piratenpartei lehnt Kinderpornografie vehement ab: “Wir verlangen wirksame Maßnahmen gegen Kinderpornographie und das heißt: Die Inhalte müssen aus dem Netz verschwinden und nicht hinter Stoppschildern versteckt werden. Außerdem protestieren wir gegen die Einführung einer Zensurinfrastruktur im deutschen Internet.” Stärker als die Regierungsparteien setzt sich die Paratenpartei dafür ein die Kinderpornografie vollständig aus dem Netz verschwinden zu lassen anstatt sie zu zensieren. Bei Jörg Tauss fand man Kinderpornografie. Er verteidigte sich mit der Aussage er hätte als Minister solche Dateien aus Recherchegründen zugespielt bekommen, da er vor einer Abstimmung wissen müsse, wie Internet und Kinderpornografie zusammenhängen. Er selbst lehnte mit wenigen Parteikollegen vorher schon eine Zensur des Internet ab. Von seiner ehemaligen Partei gebeutelt kämpft er nun öffentlich für die Piratenpartei. Karlsruhe scheint in diesem Zusammenhang ein zentraler Ort zu werden. Es wurde angekündigt vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe Klage gegen das neue Gesetz einzureichen. Die Karlsruher Verfassungsrichter lehnten bereits mehrmals Zensur- und Überwachungsvorhaben der Bundesregierung ab. Man wirft nun neugierig Blicke auf die Verteidiger der Verfassung und dank Tauss verstärkt auf Karlsruhe.
Die Piratenpartei, die bei der Europawahl 0,9% der Stimmen holte, ist zur Zeit noch nicht zur Bundestagswahl zugelassen. 93% der Unterschriften wurden bis heute gesammelt. Es verbleiben noch 34 Tage, diese Unterschriftenaktion zu vollenden. Durch derzeitige politische Umstände ist anzunehmen, dass die Piratenpartei das gewünschte Ziel erreicht und durch die derzeitigen Medienereignisse möglicherweise gestärkter an den Wahlurnen vertreten sein wird.
Es ist 7:00h morgens. In den Gesichtern sieht man Schlaftrunkenheit, Stress und Hast. Die Stadt ist voll mit Leuten, die teilnahmslos auf den Rücken ihres Vordermannes starren. Die Gedanken sind noch im Bett, etwaigen Familienproblemen, Hobbys oder der Freundin oder dem Freund. Wie eine lange Perlenkette reiht sich diese Menschenmasse in den Strom ein, den man Berufsverkehr nennt. Gefährlich ist es, die Fußgängerampel zu queren, der Rechtsabbieger gibt extra Gas um noch vor mir die Kurve zu kriegen. In seinem Blick: Purer Hass. Er wird wohl wieder zu spät sein. Wer weiss wie sein Chef ist. Eine graue breiartige Masse von Zombis wälzt sich durch die Stadt und hinterlässt das kalte Gefühl einer einst aufstrebenden Arbeitskultur.
Am Straßenrand kleben Flyer im Straßendreck: “Die Reform der Reform. Gegen Studiengebühren und Verbesserung der Studienbedingungen, Das Stiefkind der Forschung ist die Lehre.” Auf einmal ist es ruhig, alle Menschen sind verschwunden. Der erste Teil des Tages ist vorbei. Nun haben die “Erstlinge” ihre Destination erreicht und werden zum Teil der Maschine. Auf der Parkbank liegt eine Zeitung. Beiläufig lese ich darin herum und finde folgende Zeilen: “UNI-MENSA: Die Qualität der Lebensmittel beruht auf den jeweiligen Ausschreibungen. Da die Mensa ein öffentliches Dienstleistungsunternehmen ist, werden die Lebensmittel zentral eingekauft. Das günstigste Angebot, das auf eine bestimmte Ausschreibung passt, bekommt den Zuschlag. Zwar wird sich laut Gastronomieleitung um saisonales Gemüse bemüht und auf die regionale Nähe der Lieferanten geachtet, doch der Wettbewerb behält die Oberhand.” Mich überkommt ein Brechreiz. ‘Mens sana in corpore sano’, heisst es auf Lateinisch. Ein Gesunder Geist in einem gesunden Körper. Unsere “Elite” soll also mit Billigfraß intelligent und wirtschaftsgerecht hochgezüchtet werden? Ausschreibungen, günstigstes Angebot und Wettbewerb. Das sind die Un-Begriffe der letzten drei Jahrzehnte.
Nein! Nein! Nein! Ich will morgens all diese Zombis nicht mehr sehen, ich will morgens selbst keiner dieser Zombis sein, ich will keinen Ekel vor dem Fraß, den sie einem in Kantinen hinwerfen als wäre man ein räudiger Köter. Ich will nie wieder von meinem Boss angeblökt werden, nur weil die Ampel zu lange Rot war. Ich bin es Leid mir anhören zu müssen: “Aber der Kunde will es so haben.” Welcher Mitarbeiter hat den Kunden eigentlich je zu Gesicht bekommen? In einer kleinen Firma geht das. Aber da kann man auch um 10:00h zur Arbeit kommen. Da kennt man den Chef noch per Du. Und es ist kein Problem mal bis 23:00h zu arbeiten um am nächsten Tag um 12:00h zu erscheinen.
“Bitte schicken Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen an, bitte geben Sie Ihre Persönlichkeit beim Pförtner ab, Stellen Sie Ihr Ego ab und werden Sie ein Teil der Maschine.” Das ist Vollbeschäftigung, Made in Germany.
Ladies and Gentleman, die große Show beginnt: Höher, schneller, weiter, … - Peng! Der Tanker Weltwirtschaft steuert mit unglaublicher Geschwindigkeit auf eine Klippe zu. Wir haben die Klippe bereits gesehen. Bereits vor Jahren. In den 90ern muss es gewesen sein. Wir fingen an einen High-Tech Schnellzug auf dem Ufer neben dem Dampfer zu errichten. Sie sahen uns dabei zu. Merkten, wie wir sie überholten. Statt dass sie aber den Tanker verließen, sabotierten sie von Bord aus unsere Gleise, waren damit beschäftigt noch mehr Fahrt aufzunehmen - auf dem Wasser. Wurden immer größer, und immer schwerer. Und nun, nach 30 Jahren Hochrüsten haben sie den Wasserfall, der im Sturzflug hinab führt, endlich gesehen. Und was jetzt? Panik? Ja, sie zappeln wie kleine Kinder, die um Aufmerksamkeit quängeln. Sie wollen jetzt alles verbieten, alles zensieren, alles lizensieren und uns mit Anwälten und Klägern jagen und kleinkriegen - alles von ihrem Schiff aus.
Aber macht doch mal die Augen auf! Wir haben das Gleis am Ufer doch nur gebaut, damit wir euch mitnehmen können, damit Ihr eben nicht von der Klippe stürzt. Wir sind euch wohl gesonnen und wir ehren eure Leistungen. Wir akzeptieren aber nicht den Untergang. Doch was ihr übersehen habt ist, das wir nicht nur am Ufer gebaut haben. Unsere Gleise verzweigen sich bis tief ins Land. Es ist ein Netzwerk, das seinesgleichen sucht. Mit modernster Technik, einer neuen Arbeitsmentalität, in Freiheit und Selbstverwirklichung. Glaubt ihr denn etwa wirklich wir seinen Saboteure, oder Bösartig? Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben es gesehen. Jahre bevor Ihr es gesehen habt. Wir bauten die Gleise, die Strecke, überholten euch, zu niedrigen Preisen, mit höherer Dynamik, mit schnellerer Verteilung. Wir haben euch in der Globalisierung die Stirn geboten. Und wir sind viele. Sehr viele. Und werden täglich mehr. Denn die ersten sind bereits umgestiegen in unseren Zug. Eine feine Reise in einem schönen Fahrzeug.
Wir alle bauten ein Pyramideartiges Gerüst. Ihr habt einen großen Teil dazu beigetragen. Dafür sagen wir euch Dank! Aber in der Mitte der Pyramide bauten wir einen Fahrstuhl, der an die Spitze reicht. Und nun hat jeder Mensch die Wahl in den Fahrstuhl zu steigen und an die Spitze zu fahren. Da es aber ein Fahrstuhl ist, kann man jederzeit wieder zurück. Das ist die Freiheit, die Freiheit der neuen Jahre, die Freiheit zum Glück.
Wir wollen nicht zur Arbeit, weil man es muss. Wir wollen Arbeiten - für uns, für unsere Projekte, für eine bessere Welt.
P.S.: Was würdest du tun, wenn du als erster einen Kometen auf die Erde rasen siehst, und keiner glaubt dir?
Die Friedrich Ebert Stiftung bietet im Drei-Wochen-Rhythmus im Themenbereich “Gute Arbeit” Projekte, Veranstaltungen, Publikationen und sonstige Aktivitäten in Deutschland und der Welt, die sich den vielfältigen Aspekten der Arbeitswelt widmen.
Michael Sommer, der Vorsitzende des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beschreibt in seinem Geleitwort:
“Gute Arbeit ist eine, wenn nicht die zentrale Aufgabe der Gewerkschaften. (…) Viele Arbeitgeber, konservative Ökonomen und Politiker, die bei uns und anderswo in der Welt Niedriglöhne verteidigen, (…) verdrängen dabei:
Gute Arbeit ist nicht nur gut für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber und ihre Kunden. Nur zufriedene und motivierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sichern auf Dauer die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen. Und dazu gehört an erster Stelle, dass gute Arbeit gut bezahlte Arbeit ist. Das alleine aber reicht nicht. Gute Arbeit darf nicht krank machen,(…)
Kurzum: Der wachsende Wohlstand unserer Gesellschaften muss sich auch in einer besseren, humaneren Qualität der Arbeit ausdrücken. Dafür kämpfen freie Gewerkschaften in Deutschland und überall woanders in der Welt.”