Bleib wie du bist
Wer Arbeitslos Arbeitssuchend dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und/oder Sozialhilfe ALG 2 oder Harz IV bekommt, wird sicher schon mal eine Aufforderung erhalten haben sich um eine Anstellung zu bemühen. Je nach dem wie lange man dem guten Steuerzahler auf der Tasche gelegen hat um zu faulenzen wird die AR:GE auch eine Einladung zu einem Bewerbungstraining zustellen lassen. Es gibt auch andere Wege ein Bewerbungstraining zu bekommen, allerdings geht es hier nicht darum.
Viel mehr geht es darum, dass man unter Garantie im laufe dieses Bewerbungstrainings vom Dozenten etwas zu hören bekommt, was einem “Verbiegen Sie sich bei Bewerbungen nicht” entspricht. Meistens kommt diese Information nachdem man einen ganzen Haufen Tipps erhalten hat. Was ins Bewerbungsschreiben gehört. Was in den Lebenslauf kommt. Wie man sich zu verhalten hat, wenn man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Wie man sich dann kleiden soll. Wie man sprechen soll. Welche Gesten man wie erwidern soll und auf welche Fragen man wie zu antworten hat.*
Mir persönlich hat sich dann die Frage aufgedrängt, wie ich Ich-Selbst bleiben soll, wenn ich nicht so sprechen darf, wie ich das üblich tue. Wenn ich in dem Bewerbungsschreiben Qualitäten vorgebe zu besitzen, die ich vielleicht mal 5 Minuten nebenbei irgendwo gesehen habe und auf der anderen Seite aber ausdrücklich kein Wort über meine Unzulänglichkeiten verliere? Wie kann ich authentisch bleiben, wenn ich mir über Fragen Gedanken mache, die mich Persönlich einen Dreck interessieren, wie beispielsweise fünf Stärken und fünf Schwächen.*
Die Idee, die sowohl den Tipps als auch dem guten Rat zugrunde liegt, dass man sich nicht verbiegen solle, leuchten mir schon ein. Mein Problem damit ist, dass ich persönlich entweder verbogen oder authentisch bin.
*In ein Bewerbungsschreiben gehört ein Text der sich in der Formulierung an der Ausschreibung oder an sonstigen repräsentativen Texten des Betriebes orientiert. Beispielsweise Texte auf der Homepage der Firma.
In den Lebenslauf gehören alle grundlegend wichtigen Informationen, zusätzlich wird das ganze damit Gewürzt, dass man zusätzlich Sachen einstreut, die grade für den Betrieb interessant sind, bei dem man sich bewirbt.
Sollte man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden gibt es die allbekannte Regel, dass man dem Betrieb entsprechend gekleidet ist. Bewirbt man sich als Maurer, geht man da nicht mit Anzug hin und wenn man sich bei einer Anwaltskanzlei bewirbt nicht in Klamotten, die von Löchern zusammen gehalten werden. Wir einem ein Getränk angeboten, nimmt man es an, oder fragt nach einer Alternative um zu zeigen, dass man nicht vor hat den Raum in den nächsten 20 Sekunden wieder zu verlassen. Wenn man im Gespräch ist, sollte man “Weichmacher” in der Sprache vermeiden und sich überdurchschnittlich klar ausdrücken. Weichmacher sind Worte, die Aussagen verwässern wie “ein bisschen”, “vielleicht”, “könnte”, “würde”, etc. Während dem Gespräch soll sowohl auf die eigene Körperhaltung, Körpersprache, Gestik und Mimik achten. So soll man beispielsweise nicht zusammengefaltet im Stuhl kauern, jedoch auch nicht mit weit ausgebreiteten Beinen im Stuhl gammeln. Man soll beim Sprechen die Hände nicht in den Taschen oder sonst wo vergraben, sondern auf Höhe der Tischplatte oder höher halten und sie auch beim Sprechen einsetzten. Allerdings hier auch nicht zuviel und zu energisch.
Bei Bewerbungsgesprächen werden (nach aussage der Dozenten) ein paar Fragen auf jeden fall auftauchen. Dazu gehört unter anderem die Frage nach persönlichen Stärken und Schwächen. Oft ist die Frage mit einer Zahl verknüpft (”Nennen Sie 5 Stärken und 5 Schwächen”) oder sie ist subtil versteckt (”Wie würden Sie sich selbst einschätzen”). Zu der Fragestellung gibt es verschiedene Tipps. Die einen meinen, dass man Schwächen ins Gegenteil kehren kann (”Ich kann schlecht ‘Nein’ sagen”), oder dass man bei Schwächen direkt dazu sagen soll, was man dagegen unternimmt. Auch was die Stärken und Schwächen im Allgemeinen angeht gibt es verschiedene Theorien. Den einen reicht es, wenn es sich bei den Schwächen und Stärken um eher belanglosen Krempel handelt, die Anderen verlangen, dass man tief in sich geht und sich wirklich WIRKLICH Gedanken macht. Die Verfechter der einen Theorie sind aber meist Gegner der Anderen. Allerdings sind sich alle bei einem Punkt einig: Man soll bei den Schwächen niemals ehrlich sein und sagen, was man wirklich für schwächen hat!
Neben der Stärken-Schwächen-Frage gibt es aber noch andere. Beispielsweise die “Wo sehen Sie sich selbst in 2/5/10 Jahren?”, die Auskunft darüber geben soll, ob man sein Leben plant, oder nur so dahin dümpelt. Es gibt die “Wieso glauben Sie der Richtige für den Job zu sein”-Frage und noch ein ganzes Batallion andere. Und alle zielen darauf ab heraus zu finden, wer der Bewerber überhaupt ist. (Auf die Idee mal direkt zu Fragen scheint keiner zu kommen.)
Mehr Informationen zu der Thematik kann man im Internet und in Büchern finden, wobei ich hierzu aber keinerlei Empfehlungen abgeben kann, da mir das Thema inzwischen zum zweiten- oder drittenmal aus dem Hals hängt und ich mich damit nicht mehr weiter beschäftigen will!Â
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November 6th, 2007 at 03:10
Jawohl! Auf den Punkt gebracht! Das passt schön zu meinem kleinen Beitrag zum Thema Bewerben. Den Unternehmern geht es sprichwörtlich auf
den Sackdie Nerven ständig um den heißen Brei herumschreiben zu müssen. Und nun muss man erfahren, dass wir in der Bewerbung auch noch “trojanische Pferde” sitzen haben sollen. Ja, du hast Recht! Wie soll ich mir denn ein Bild von der Persönlichkeit die vor mir sitzt machen, wenn wir ‘Knigges neuen Rat’ vor uns sitzen haben? Umgangsformen hin oder her; als Unternehmer bindet man sich über lange Zeit an Mitarbeiter. Da gibt es den Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, usw. Man möchte da dann doch gerne eine(n) Kandidaten/Kandidatin vor sich sitzen haben, mit dem/der man es auch einige Jahre aushält. Man bedenke, das man die meiste Zeit des Lebens in der Arbeit/Schule/Ausbildung verbringt. Da sollte man schon gut wählen. Aber offensichtlich hat sich die Allgemeinheit dazu entschieden, dass wir uns “politisch korrekt” gegenseitigbescheissenblenden, statt die Arbeit als das zu sehen was sie wirklich ist: Transformation von Gütern, Erschaffung von Werten und vor allem die einzige offizielle Art eigene Fähigkeiten für die Allgemeinheit konstruktiv nutzbar zu machen. In jedem Job gibt es Pflichten. Aber Arbeiten muss auch Spaß machen, sonst macht es nämlich krank!