Die Pro-Ams kommen, wir sind die Prosumenten

In Ihrem Pamphlet schreiben Charles Leadbeater und Paul Miller über die Pro-Ams. Pro-Ams sind keine Profis, stellen aber auf sehr hohem Niveau ihre eigenen Produkte her und leben innerhalb selbstorganisierter Strukturen und folgen einem “community code”.

(cc) by José Goulão auf flickr

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Die Neunziger Jahre sind sprichwörtlich das Jahrzehnt, in dem große Unternehmen korrupt wurden. Die Globalisierung und die Tendenz zu Mega-Companies bedrohte viele Menschen auf der Welt. In den westlichen Staaten wuchs der Rechtum, in Drittweltländern beobachte man eine Verpestung der Umwelt und miserable Lebensumstände. Es gab nichts was diesen Firmen entgegenstehen konnte. Durch die Open-Source-Bewegung wurde zum ersten mal einer der größten Firmen (Microsoft) die Stirn geboten. Die Firma hatte es nicht mehr mit einem Konkurrenten zu tun, sondern mit der Vielfalt kreativer Menschen, die in Ihrer Gemeinschaft als Konkurrent auffielen. Auch die Rechtsprechung wurde angepasst. Die GNU-Lizenz (general public licence) und das CC (Creative Commons)-Modell garantierten auf einmal die Freiheit und Zugängigkeit einzelner Werke. Versuchten Companies geistiges Eigentum für sich zu beanspruchen, so stehen diese Lizenzen im Gegensatz dazu und ermöglichen allen den Zugang. Der Korruption und dem Großunternehmerdenken wird auf einmal der Kunde als Produzent und gleichzeitig Konsument seiner eigenen Ware zum größten “Feind”. Rap und Hip-Hop starteten als “do-it-yourself” music. Die Netaudio-Bewegung produziert hochwertige Musik - für lau. Im September 1991 stellte Linus Torwalds den Kernel seines Open-Source Betriebssystems Linux ins Netz. Ohne es zu planen startete er eine kleine Revolution. Die Pro-Ams wurden geboren.

Durch die Vernetzung von Pro-Ams, entsteht das Potential großen Druck auf Politik, Kultur, Wirtschaft und Entwicklung auszuüben. Diese Struktur emöglicht einen Einfluss, den vorher nur große, professionelle Organisationen und Lobbys hatten.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist eine neue Art des Amateurs aufgekeimt: Der Pro-Am - ein Amateur, der auf professionellem Niveau arbeitet. Er ist gebildet, belesen, arbeitet in Teams und ist in großer Reichweite vernetzt - ermöglicht durch Technologie.
Das Zwanzigste Jahrhundert war geprägt von großen hierarchischen Organisationen, die in Spitzenpositionen mit Fachleuten besetzt wurden. Pro-Ams erschaffen derzeit neue verteilte Organisationsmodelle, die innovativ, hochflexibel und low-cost sein werden. Ein einzigartiges Beispiel für die Power der Pro-Ams ist die Astronomie: Unzählig viele Sterne und Meteore wurden von Hobby-Astronomen entdeckt - mit Hobbyequipment.

Konsum als Produktion

Die meisten Pro-Ams machen Ihren “Job” außerhalb regulärer Arbeitszeiten. Sie Arbeiten Nachts oder an Wochenenden. Um sich Produkte leisten zu können werden sie selbst zum Produzenten. Die Robotikbewegung (http://eggshell-robotics.com) ist weitestgehend von Pro-Ams getragen, von “Amateuren mit professionellen Fähigkeiten”. Der Pro-Am-Sektor ist schwer zu erfassen. Die Aktivität ist nicht zuletzt deshalb schwer zu erfassen, da klassische Marktforschungsinstrumente hierbei versagen. Den Pro-Am-Sektor kann man derzeit nur schätzen. Gerade die Unfähigkeit klassischer Instrumente lässt die Vermutung nahe, dass man es hier mit etwas wirklich neuem zu tun hat. Betrachtet man die Pro-Ams einzeln und lokal, so scheinen sie sich von anderen kaum zu unterscheiden. Innerhalb ihrer Gesamtheit bilden sie eine Struktur, die man als evolutive Erweiterung der klassischen Firmen- und Marktstruktur verstehen kann.

Originaltext: http://www.demos.co.uk/publications/proameconomy

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