Generationenkonflikt 2.0

Vielleicht habt ihr meinen letzten satirischen Beitrag zu Schäubles Politik gelesen. Ich konnte nicht anders, da ich über seine Herangehensweise einfach nur lachen kann. Was aber soll ein Mensch denn über die Internetpolitik denken, wenn er Sprachen wir PHP, SQL, HTML, C, C++ und andere beherrscht. Ich bin mit dem Computer groß geworden. Für mich ist der PC so normal, wie für meine Eltern der Fernseher. Für mich ist das Internet so allgegenwärtig, wie für meine Eltern das Telefon. Für mich ist die Kommunikation auf Englisch genauso normal, wie für meine Eltern der Plausch mit den Nachbarn. Für mich ist “unterwegs sein” so normal, wie für meine Eltern “im Garten sitzen”.

Betrachtet mal die Vergleiche. Das ist kein Konflikt! Es sind nur verschiedene Lebensarten. Diese Lebensarten sind so verschieden, dass wir uns da auch nichts tun. Wir haben keinen Streit, wir verstehen uns gut. Nur die Vorstellung der Lebensführung geht auseinander. Eben hatte ich ein super Gespräch mit Striker. Er hat etwas wunderbares gesagt: “Meine Eltern wollen das Beste für mich und stellen sich vor, wie ich mit einem Anzug täglich zur Arbeit gehe und vor dem Computer sitze. Ein Graus!”

Und ich kann es nachvollziehen. Zu der zeit, zu der unsere Eltern jung waren, war es eine schöne Vorstellung in der Arbeit mit diesem “High-Tech” Computer zu arbeiten. Es war etwas Besonderes. Und der Anzug war ein Symbol für Freiheit, einen guten Verdienst und Zufriedenheit. Die Zeiten haben sich aber geändert. Und diesmal nicht nur die Zeiten, sondern - wie ich meine- ein ganzes Zeitalter.

Bild 1: Das sehen unsere Eltern.Das sehen unsere Eltern
Bild 2: Das sehen wir.Das sehen wir

Früher führte eines zum anderen. Man bewarb sich bei einer Firma. Man arbeitete bei derselben Firma 20 Jahre lang und bekam zum Ruhestand eine goldene Uhr geschenkt. Heute springt man von Firma zu Firma. Macht man das nicht, so wurde die Firma bereits dreimal verkauft und hat fünfmal den Namen gewechselt. Der Computer ist lange kein High-Tech-Luxusgerät, sondern ein “understatement” Bürogerät. Und wer wie ich als “computer native” mit Computer-Muttersprache aufgewachsen ist, hat andere Vorstellungen von “Traumjob”. Ich rechne es unseren Eltern auf jeden Fall hoch an, dass sie so fromme Wünsche für uns hegen, denn in Ihrer Vorstellung sollen wir glücklich sein. Aber das Beispiel ist “überholt”.

Heute träume ich - wen ich über Traumjob nachdenke - über selbstbestimmte Arbeitszeiten, ein Leben in Mobilität. Die Buchhaltung im Kaffee machen, im Zug ein Game zocken, oder den Code für den Kunden weiterprogrammieren. In der Freizeit eine etwas exotischere Sportart ausüben z.B. in Tokio, mal beim ‘Burning Man’ vorbeischauen, Mitarbeiter, die alle total durchgeknallt sind; Der Eine hat soviele Piercings, dass man glauben möchte er wolle sich vor Handystrahlung schützen. Ist zwar extrem - finde ich aber geil! Würden meine Eltern nie verstehen. Die andere Mitarbeiterin ist Gothik. Schwarzer Ledermantel, hell geschminktes Gesicht - so eine nette Person, herrlich! Dann ist da noch “Atze Schröder”. Der ist sprichwörtlich aus dem Ruhrpott abgehauen und bringt ne Stimmung in den Laden - find isch rischtisch geil! Der Computerfreak ist auch der Hammer. Hat ja humortechnisch nicht wirklich viel beizutragen - aber wenn der mal loslegt mit seinen Voodoo-Algorithmen, dann fällt uns allen die Kinnlade runter. Und je bekloppter die Leute umso geiler die Stimmung in der Arbeit. Und was ich am besten finde: Die Leute sind alle verschieden, finden das aber auch alle geil! Und da gibt es auch keinen Krach. Der eine ist halt der Computerheini, der andere der Buchhalter und Sie macht halt die Werbung. Und das Passt. Ich kann mir Uniformierung gar nicht mehr vorstellen.

Aber so ist das mit der Generation X und den folgenden. Wir sind eklektisch. Alles vermischt sich. Gleichheit existiert nicht mehr. Es gibt nur noch Möglichkeiten. Möglichkeiten sind normal. Und Möglichkeiten bietet das Internet. Die Struktur in unserem Kopf gleicht der Struktur im Netz. Wir kommunizieren nicht nur mit Leuten aus unserer Stadt, sondern mit Leuten aus aller Welt. Statt die langweilige Glotze einzuschalten, finden wir coole Blogs, auf denen die besten YouTube-Videos veröffentlicht werden. Statt Lotto zu spielen, setzen wir auf Google-Ads.

Navi ist für uns normaler als Schlagermusik. Notebook ist für uns, was für Eltern der Taschenrechner war. Elektronische und komplexe Musik für uns entspannend, für unsere Eltern purer Stress. Volksmusik für die einen beruhigend, für uns monotone Langeweile.

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WŠhle Piraten!

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