Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften
Amartya Sen bekam den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. In seinem Buch “Ökonomie für den Menschen” schreibt er über Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit. Nahezu am Ende des Buches bin ich über Zeilen gestolpert, die mich sehr bewegt haben. Ich versuche hier eine korrekte Zusammenfassung:
1. Die meisten großen Errungenschaften entsprangen nicht aus der Absicht der Entdecker dies zu tun, sondern entstanden meist als Beiwerk oder Abfallprodukt. Diese unbeabsichtigten Konsequenzen sind es, die sich zu jeder Zeit um eine Entscheidung herumschlängeln. Beispiele: Es war nicht vorgesehen, das vergammelte Essensreste zur Entdeckung des Penicillin führten. Gerade der Größenwahn im Dritten Reich führte dazu, dass es zu Grunde ging. Der Kleber der Post It-Sticker sollte einer der Stärksten Kleber werden. Daraus ergeht: Die Dinge laufen nicht immer so, wie wir es wollen. Aber gerade auf dem Irrweg kann sich großer Erfolg verbergen.
2. Oft geschehen Nebeneffekte, die Unvorhersehbar waren. Im Sinne von “Gut gemeint” kann ein “schlecht umgesetzt” resultieren. Als Beispiel nennt Sen die Entscheidung der Chinesischen Regierung pro Famile nur noch ein einziges Kind zu erlauben. Der Sinn ist eine vernünftige Kontrolle der Bevölkerungszahl. Ergeben hat sich aber, dass vor allem Mädchen vermehrt abgetrieben wurden, oder in ihren Familien emotional verkümmert sind, da sich die Eltern vor allem einen Jungen wünschten. Sen stellt mit diesem doch sehr extremen Beispiel die Frage, ob solche Konsequenzen wirklich unvorhersehbar sind. Eine nach vorne schauende Analyse und das Hinzuziehen von heuristischen Daten könnte solche Effekte frühzeitig erkennbar machen, bevor eine solche Maßnahme ergriffen wird.
3. Soziale Gerechtigkeit und das Wohl der Allgemeinheit im Gegensatz zum Wohle des Einzelnen: Nicht nur die quantitative Betrachtung reicht für einen Gerechtigkeitsbegriff, sondern viel mehr eine ausgewogene Auswahl an gerechten Präferenzen ist von Nöten. Sen führt als Beispiel drei Personen 1, 2 und 3 ein, die sich einen Kuchen teilen. Der Kuchen wird in drei etwa große Teile zerschnitten. Person 1 hat das größte Stück. Also teilen Personen 2 und 3 das Stück von Person 1 erneut auf. Dies machen die beiden so lange, bis Person 1 keinen Kuchen mehr hat. Insgesamt hat aber die Mehrheit profitiert, denn Zwei Personen haben gleich große Anteile des Kuchens bekommen. Nur Person 1 steht ohne Kuchen da. Eine Demografische Betrachtungsweise genügt daher nicht alleine, wenn man über Gerechtigkeit spricht.
Zusammenfassend kann man also sagen:
1. Große Erfolge wirken rückblickend wie geplant, entstanden aber in der Regel “nebenbei” oder “durch Zufall”.
2. Durch vergleiche und gezielte Analysen kann man doch einige Seiteneffekte vorhersagen und den “gut gemeint”-Effekt vereiteln.
3. Wenn es der Mehrheit gut geht muss das nicht unbedingt bedeuten, dass allen Recht getan wird.
Dies sind drei kleine Aussagen, mit großer Tragweite. Denn so kann man unser leben in dieser Bundesrepublik unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Möglicherweise handeln unsere Politiker in bestem willen, nur schleichen sich gerne “Seiteneffekte” ein.
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