Application goes Social
Man verkaufte früher Software als Produkt. Das war möglich, da die Computer noch viele offene Baustellen zu besetzen hatte. Die Felder waren Textverarbeitung, Fotobearbeitung, Videobearbeitung, Buchhaltungssoftware, Tabellenkalkulationen, Präsentationen, Musikplayer, Musikbearbeitung, etc. Schaut man sich heute moderne Computer an, stellt man fest: Das gibt es schon alles. Kauft man einen aktuellen Apple, bekommt man das Betriebssystem OSX mit der iLife Suite. Da ist alles dabei, das das Herz begehrt. Man benötigt nicht mehr viel. Betrachtet man das Computerverhalten der meisten Nutzer, so sieht es folgendermaßen aus: Einschalten, Firefox starten, Google oder Youtube öffnen. Programmierer werden in erster Linie dafür eingesetzt Spezialsoftware für die Buchhaltungen oder das internet zu programmieren. Und verkauft wird die Software auch nicht mehr. Werbung finanziert den Service. Social ist das Stichwort. Je mehr Benutzer man bündeln kann, umso größer ist der Cash-Flow. Der Internetnutzer möchte sich austauschen, vermeindlich soziale Kontakte aufbauen, ja er möchte Mäuschen spielen. Aus der Informationsplatform Internet wurde ein werbefinanziertes Voyeursystem. Was macht mein Nachbar, mit wem ist er befreundet? Hat er mist gebaut? Ist ein Video von ihm auf Youtube? Wie wohnt mein Arbeitgeber? Die Adresse mal eben bei Google Earth eingegeben offenbart das offensichtliche. Beklagen wir uns derzeit über die Überwachungsoffensive von Herrn Schäble, übersehen wir gleichzeitig, das wir alle und alles per Satellit beobachten können! Auf Partys laufen Fotoscouts herum, die von den (angetrunkenen) Gästen schlüpfrige Fotografien anfertigen und auf die Internetseite des Veranstalters hochladen. Informationsservices fassen zu einzelnen Personen alle Webaktivitäten zusammen - der Gläserne Mansch. Mirkoprominenz wird dank Wikipedia möglich. Hat Person X in Köln eine kleine Firma gegründet und ist damit einigermaßen erfolgreich geworden? Es dauert nicht lange und man findet seine Biografie bei Wikipedia. Und so schnell man Informationen im Internet hat, so langsam bekommt man diese Informationen dort wieder heraus: Google archiviert, Deutschland archiviert. Ist etwas einmal im Netz, so bekommt man es gar nicht oder nur mit großem Aufwand wieder dort heraus: Eine Einbahnstraße der Informationen.
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